Kurzgeschichte : Hochzeit im Leuchtturm

Die Zahl der Leuchtturmhochzeiten nimmt immer weiter zu... mal schauen, ob sich ein eigenes Forum zu diesem thema lohnt!

Kurzgeschichte : Hochzeit im Leuchtturm

Neuer Beitragvon pinkyfisch » Di 15. Jun 2010, 07:20

Die Hochzeit im Leuchtturm

Es war ein wundervoller Morgen. Die Sonne ging gerade am Horizont auf und tauchte das Meer in leuchtende Farben. Die Welt erwachte aus ihrem Schlaf. Leise schlugen die Wellen an den Strand. Selbst die Möwen flogen schon kreischend durch die Lüfte auf der Suche nach Nahrung. Es war ein Bild des Friedens.
Der Leuchtturmwärter hatte gerade seine Runde durch den Turm beendet und setzte sich, um eine Tasse Kaffee zu trinken.
Er genoss diese wundervollen Stunden am Morgen. Er hatte das Gefühl, dass heute etwas Großes und Wichtiges passieren würde. In ein paar Stunden wurde in seinem Leuchtturm eine Hochzeit gefeiert. Er musste noch das Trauzimmer herrichten, bevor der Standesbeamte kam. Und so verging der Vormittag.

Plötzlich klopfte es an der Tür. Der Wärter stapfte nach unten. Er war gerade fertig geworden und der Pfarrer stand vor der Tür.
„Moin Heinz, na biste schon fertig?“
„Moin Hochwürden! Ja, gerade fertig geworden. Sach mal, was ist denn das für ein Wetter da draußen? Heute morgen war noch keine Wolke am Himmel. Und jetzt...?“
Es braute sich ein Gewitter zusammen. Schwarze Wolken türmten sich über dem Meer und ein starker Wind kam auf.
„Na, wenn das kein Zeichen ist. Da hat wohl jemand was gegen diese Ehe.“ Mutmaßte der Pfarrer.
„Ja, wollen wir mal hoffen, dass das Brautpaar nicht zu nass wird. Sonst ist das kein schöner Start in die Ehe.“Heinz lachte.

Und da kamen sie auch schon. Der Mann zog seine Frau durch das Watt! In einem Bollerwagen! Hatte man sowas schon mal gesehen? Die Frau trug ein weißes Traumkleid, dass sich nun im Wind blähte und sie ganz märchenhaft aussehen ließ.
Der Bräutigam trug einen schwarzen Anzug und tupfte sich den Schweiß von der Stirn.
Aber noch hatte der Regen nicht begonnen.
Schnaufend kamen sie am Leuchtturm an und lachten! Beide strahlten über das ganze Gesicht.
„Endlich sind wir da. Jetzt kann geheiratet werden. Und nichts kann uns mehr aufhalten!“ sagte die Braut freudestrahlend.

„Kommen da noch Gäste oder sind Sie allein angereist?“ fragte der Pfarrer.
„Nein, wir sind allein“, sagte die Braut. „Wir wollen unsere Liebe gemeinsam auf diesem Leuchtturm besiegeln. Nur wir beide, gegen den Rest der Welt, der uns nicht verstehen kann.
Unsere Familien sind gegen diese Verbindung. Aber wir lieben uns so sehr, dass wir das vor Gott und der Welt zeigen wollen. Nichts kann uns mehr trennen.“ Der Pfarrer nickte lächelnd und ahnte nicht, wie recht sie hatten.

Mittlerweile war der Sturm immer heftiger geworden. Die Wellen schlugen krachend an den Strand und auch die Möwen hatten sich zurück gezogen.
Als sie das Trauzimmer betraten, blitzte es hell auf und ein Donner folgte augenblicklich. Das Licht war ausgefallen. Die Braut klammerte sich hilfesuchend an ihren Mann.
„Das sind die bösen Wünsche und Drohungen unserer Familien,“ sagte die Braut mit Tränen in der Stimme. „Aber wir lassen uns nicht von unsrem Vorhaben abbringen. Dafür ist unsere Liebe zu stark. Und hier sind wir sicher!“
„Ja, das ist richtig, sagte der Wärter. Der Strom ist leider ausgefallen, aber das Leuchtturmfeuer brennt noch. Der Generator müsste sich auch bald wieder einschalten. Ich gehe mal gucken.“ und damit verschwand er.
Nach kurzer Zeit tauchte er wieder auf mit Kerzen in der Hand.

„Das mit dem Licht wird wohl noch etwas dauern. Wir können warten oder der Herr Pfarrer traut Sie bei Kerzenschein.“
„Nein, wir wollen nicht mehr warten,“ sagte der Bräutigam.
Ein Donner folgte seinen Worten und ein Blitz zerriss die Dunkelheit.
Der Pfarrer verstand und begann mit der Zeremonie.
„Willst du die hier anwesende Braut zu deiner Frau nehmen, sie lieben und ehren in guten wie in schlechten Zeiten?“
Das Brautpasr schaute sich tief in die Augen und der Bräutigam sagte klar und deutlich:
„Ja, für immer und ewig!“

Die Welt schien still zu stehen und auch das Gewitter schien den Atem anzuhalten.
Auch die Braut antwortete klar und deutlich:
„Ja, mein Geliebter, für immer und ewig.“
Dann küssten sie sich.
In diesem Moment riss die Wolkendecke auf und ein starker Sonnenstrahl schien direkt durch das kleine Fenster und ließ das Brautpaar in einem warmen Licht erscheinen. Es hüllte sie ein und es schien als würden sie Eins!

Dieser Moment war so ergreifend, dass dem Pfarrer die Worte fehlten. Er schaute in den Himmel und es war als ob tausend Engel singen würden. Diese Liebe war ein Zeichen des Himmels. So rein und stark, wie er es noch nie zuvor gesehnen hatte.
Das Licht flackerte und brannte dann wieder wie zuvor. Die Wolken waren verschwunden und der Himmel erstrahlte in einem tiefen Blau.
Der Lichtstrahl des Leuchtfeuers war weit über das Meer zu sehen und schickte die Botschaft der Liebe in die fernsten Winkel.

Die Menschen, die auch mit dem Herzen sehen, sehen diese tiefe und reine Liebe auch heute noch und werden tief im Inneren von ihr berührt. Sie könenn spüren, wie Kraft der Liebe durch die Welt getragen wird und fühlen die Hoffnung und Sehnsucht in ihren Herzen, wenn sie das Licht des Leuchtturms streift.
pinkyfisch
 
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